Kommunalwahlen entscheiden sich vor Ort: am Infostand, auf dem Wochenmarkt, im Gespräch. Wer sich aber über Kandidatinnen und Kandidaten informieren will, schaut zuerst im Netz. Diese Checkliste zeigt, wie Sie digital gut auffindbar, verständlich und glaubwürdig auftreten, unabhängig von Partei oder Wählergruppe.
Phase 1: Das Fundament (12 bis 6 Monate vorher)
- Eigene Website mit eigener Adresse. Vorstellung, drei bis fünf Kernthemen, Termine, Kontakt. Schlicht, schnell und am Handy gut lesbar.
- Impressum und Datenschutzerklärung. Auch Wahlkampf-Websites brauchen beides. Klären Sie, wer als Verantwortlicher genannt wird.
- Gute Fotos. Ein natürliches Porträt und einige Bilder vor Ort in der Gemeinde. Sie werden für Website, Flyer, Plakat und Presse gebraucht.
- Eine Videovorstellung von 60 bis 90 Sekunden. Wer sind Sie, warum treten Sie an, was ist Ihnen wichtig. Video schafft Nähe wie kein anderes Format.
- Einheitliche Profile. Gleicher Name, gleiches Bild, gleiche Kurzbeschreibung auf allen Kanälen, jeweils mit Link zur Website.
- Ihre Geschichte in drei Sätzen. Was Sie antreibt und was Sie verändern wollen. Daran richten sich alle späteren Inhalte aus.
Phase 2: Sichtbar werden (6 bis 2 Monate vorher)
- Regelmäßig statt viel. Lieber zwei gute Beiträge pro Woche als täglich etwas Beliebiges.
- Formate mit Ortsbezug. Kurze Videos aus den Ortsteilen, Gespräche mit Vereinen und Betrieben, eine Serie „Ihre Frage, meine Antwort“.
- Eigene Verteiler aufbauen. Ein E-Mail-Newsletter oder ein Messenger-Kanal erreicht Menschen unabhängig von Algorithmen. Bei Newslettern gehört eine bestätigte Anmeldung (Double-Opt-in) dazu.
- Termine früh ankündigen. Infostände, Veranstaltungen und Diskussionsrunden auf Website und Kanälen, mit Ort und Uhrzeit.
- Lokale Presse. Pressemitteilungen zu konkreten Anlässen, mit Foto. Lokalzeitungen und Gemeindeblätter haben oft mehr Reichweite als gedacht.
- Print und Online verbinden. Ein QR-Code auf Flyer und Plakat führt zur Website. Wer möchte, kann datensparsam auswerten, welche Motive wirken.
Phase 3: Die heiße Phase (letzte 6 Wochen)
- Briefwahl erklären. Wie und bis wann man sie beantragt, mit Link zur Gemeinde. Viele Stimmen werden heute vor dem Wahltag abgegeben.
- Das eigene Umfeld aktivieren. Unterstützerinnen und Unterstützer bitten, Beiträge zu teilen und im Bekanntenkreis zu erzählen. Persönliche Empfehlungen wirken am stärksten.
- Fragen beantworten. Kommentare und Nachrichten zeitnah und sachlich beantworten, auch kritische.
- Wahltag und danach. Am Wahltag an die Wahl erinnern, danach allen danken, unabhängig vom Ergebnis. Die Kanäle bleiben für die Arbeit im Gremium wertvoll.
Rechtliches und Fairness
- Impressum und Datenschutz auf Website und, wo nötig, in Social-Media-Profilen.
- Bildrechte: Wer auf Fotos oder in Videos erkennbar ist, sollte zugestimmt haben, besonders bei Kindern.
- Amtsinhaberinnen und Amtsinhaber müssen Amt und Wahlkampf trennen. Amtliche Kanäle, Mittel und Räume dürfen nicht für Wahlwerbung genutzt werden.
- Plakate und Infostände unterliegen örtlichen Regeln. Fragen Sie rechtzeitig bei Ihrer Gemeinde nach.
Diese Checkliste ersetzt keine Rechtsberatung. Verbindliche Auskünfte geben Ihre Gemeinde, die Wahlleitung und gegebenenfalls Ihre Partei oder Wählergruppe.
Die Checkliste in Kürze
- Website mit Impressum und Datenschutz
- Porträt und Fotos vor Ort
- Videovorstellung
- Einheitliche Profile
- Eigener Newsletter oder Kanal
- Inhalte mit Ortsbezug, regelmäßig
- Lokale Presse
- QR-Codes auf Print
- Briefwahl erklären
- Danke sagen
Häufige Fragen
Kann ich im Wahlkampf noch Anzeigen auf Facebook, Instagram oder YouTube schalten?
Nein, nicht mehr als politische Werbung. Meta und Google haben angekündigt, seit Oktober 2025 in der EU keine politischen Anzeigen mehr auszuspielen. Hintergrund ist die EU-Verordnung über die Transparenz und das Targeting politischer Werbung. Eigene Beiträge, Videos und Kanäle sind davon nicht betroffen.
Brauche ich als Kandidatin oder Kandidat eine eigene Website?
Für die meisten ja. Social-Media-Profile gehören nicht Ihnen, ihre Reichweite schwankt, und nicht alle Wählerinnen und Wähler nutzen sie. Eine schlichte Website mit Vorstellung, Themen, Terminen und Kontakt ist die verlässliche Anlaufstelle, auf die alle anderen Kanäle verweisen.
Wann sollte ich mit der digitalen Vorbereitung anfangen?
Idealerweise sechs bis zwölf Monate vor der Wahl. Dann bleibt Zeit, Fotos, Website und eine erste Videovorstellung in Ruhe zu erstellen und Kanäle aufzubauen, bevor die heiße Phase beginnt.